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Projekte - Augsburger Lesebuch

Das Augsburger Lesebuch - eine Idee setzt sich durch

"Pack's, Augusta!" - Schüler schreiben Frieden
Das erste Augsburger Lesebuch zum 450. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens "Pax Augustana" 2005

"Wir zwey taugen recht zusammen" - Schüler schreiben über Partnerschaft, Freundschaft, Liebe
(Ein Zitat Mozarts, das die Zuneigung zu seinem "Bäsle" ausdrückt.)
Das zweite Augsburger Lesebuch zum Mozartjahr 2006

"Schreibfluss" - Schüler über Wasser
Das dritte Augsburger Lesebuch zum aktuellen Thema "Wasser" des Augsburger Pax-Jahres 2007

"Ortswechsel" - Schüler schreiben hier und da
Das vierte Augsburger Lesebuch zum aktuellen Thema "Migration" des Pax-Jahres 2008

"Die Stadt lebt" - und Schüler schreiben darüber
Das fünfte Augsburger Lesebuch 2009

"Eis" - Schüler erwärmen sich fürs Schreiben
Das sechste Augsburger Lesebuch 2010

"(un)Glück"
Das siebte Augsburger Lesebuch 2011

Die Stadt lebt



Wie kommen diese einzigartigen Bücher zustande?

Für ausnahmslos alle Schularten und Klassenstufen in der Stadt Augsburg wurde jedes Jahr ein Schreibwettbewerb ausgelobt mit einer begrenzten Laufzeit von etwa drei Monaten, der unter einem Thema steht, das oft an das Jahresmotto der Stadt angeglichen wurde. Es sind dabei alle literarischen und journalistischen Textformen möglich; auch experimentelle Texte sind willkommen. Bei der Auswahl der Produktionen durch eine unabhängige, kompetente Jury geht es um keine Platzierungen, sondern um die Frage: Welcher Text kann qualitativ so bestehen, dass er es zur Veröffentlichung im Buch schafft?
Die Zahl der Texteinsendungen pro Wettbewerbsjahr steigerte sich bis zu einer Anzahl von 1754.
(Die Jury hatte also jeweils eine Menge zu tun!)
Jeder Schüler erhält ein kostenloses Buchexemplar (Auflage jeweils: 30 000).

Ausschreibung des Wettbewerbs: Bildungs- und Schulreferat der Stadt Augsburg
Finanzierung: Stadt Augsburg sowie öffentliche und private Sponsoren
Redaktion: Wißner-Verlag Augsburg
Projektleitung: Gertrud Hornung, Maria-Theresia-Gymnasium Augsburg

Welche Partner arbeiten hier zusammen?

· Bildungs- und Schulreferat der Stadt Augsburg
· Projektleitende Lehrkraft: Koordination, Kontakte
· Wißner-Verlag Augsburg: Lektorat und Produktion
· Sponsoren: Vertreter aus Wirtschaft, Bankwesen, Stiftungen und Privatpersonen
· Juroren: Autoren, Germanisten, Lehrer, interessierte Vertreter der Wirtschaft, Journalisten, private Lesebegeisterte, Schülerinnen und Schüler
· Schiedsstelle für strittige Texte: Universität Augsburg: Prof. Kaspar Spinner
· Lesebuchbeauftragte: eine engagierte Kontaktperson (Lehrer/in) pro Schule, die schon bei Anlauf des ersten Schreibwettbewerbs von der Schule benannt wurde
· Medienpartner: Augsburger Allgemeine Zeitung
· Hunderte Schüler als originäre Autoren, die Gegenwartsliteratur schaffen

Sponsoren



Welche Aktionen begleiten jeden Wettbewerb?

· Auftaktveranstaltungen: Einladung an alle Lesebuchbeauftragten der Schulen, an die Juroren und die Medien zu wechselnden Schauplätzen, die jeweils eine Besonderheit in der Stadt markieren (z. B. Baustelle der Neuen Stadtbibliothek Augsburg mit Führung), meist verbunden mit einer Dichterlesung
· Werbe-Aktionen an allen Schulen: Flyer für jeden Schüler und Plakate zum Aushang in den Schulen informieren über Thema und Procedere des Wettbewerbs
· Schleppseiten in der Augsburger Allgemeinen werben für den laufenden Wettbewerb
· Lehrerfortbildungen zum Kreativen/Literarischen Schreiben, angelehnt an des jeweilige Wettbewerbsthema, durchgeführt von Augsburger Autoren (z. B. Peter Dempf, Andreas Nohl, Tom Schulz, Lydia Daher)
· Workshops für Schüler zum Thema des jeweiligen Wettbewerbs, durchgeführt von Augsburger Autoren
· Gemischte Workshops: Schüler und Lehrer schreiben gemeinsam, betreut von Autoren
· Abschlussveranstaltungen: jeweils "größtes Autorentreffen Deutschlands", denn alle Schülerinnen und Schüler, die einen Text eingesandt haben - ungeachtet der Bewertung - sind geladen; ausgewählte Schüler lesen dort ihre Texte: Lesungen, Musik und andere Vorführungen durch Schülergruppen; Ausgabe des jeweiligen druckfrischen Buches unter Hochspannung, denn jeder will wissen: "Bin ich drin?"

Was macht diesen Wettbewerb so einzigartig?

· Alle Schulen einer Stadt widmen sich dem Literarischen Schreiben.
· Hunderte Schüler finden über das Aufsatzschreiben hinaus zu neuen, sehr persönlichen Ausdrucksformen.
· Ein sprachlicher wie sozialer Integrationsprozess läuft unbemerkt ab.
· Schulartenspezifische Qualitätsunterschiede werden beim Literarischen Schreiben nivelliert.
· Dem Schreiben geht das Lesen voraus (Lernen an literarischen Vorbildern) und es zieht das Lesen nach sich.
· Viele Kooperationspartner verfolgen ein gemeinsames Ziel: Freude an Bildung.


Nobelpreisträger von morgen



Zum wiederholten Male (2006 und 2007) wurden aus der Menge der Schülerautoren 10 Kinder ausgelost, die auf Einladung der chinesischen Partnerstadt Jinan anlässlich eines jährlichen Jugendfestivals kostenfrei eine Woche in Jinan und Peking verbringen durften. Die Flugtickets konnten durch Patenschaften mit Augsburger Firmen gesponsert werden.


Hier eine kleine Kostprobe aus den Augsburger Lesebüchern:

Zeitgedanke

In sieben Sekunden haben sie gelernt zu töten
In sieben Minuten lernen sie zu zerstören
In sieben Stunden haben sie gelernt, wie man Kriege führt
In sieben Tagen lernen sie die Kontinente zu erobern
In sieben Wochen haben sie gelernt andere zu unterdrücken
Sieben Jahrhunderte wird es brauchen sie eines Besseren zu belehren


Erstes Augsburger Lesebuch Simone Kronau
Maria-Ward-Realschule
Klasse 9c


Liebestrank

Sag ihm was Nettes
Nicht allzu Fettes
Schenk ihm was Unvergessliches
Nichts Hässliches
Oder gar Grässliches
Aber vor allem mit Brad Pitt Messliches
Unternimm was Interessantes
Von Gott Gesandtes
Auch was Lustiges
Nichts Schuftiges
Mach ja was Verrenkendes
Schiffe-Versenkendes
Sag was Verlockendes
Nichts im Dunkeln Hockendes
Sag was Verführerisches
Bloß nichts Lyrisches
Du wirst ihn vor Liebe ertränken!
Lass das mit dem Schenken

Zweites Augsburger Lesebuch
Caren Stegelmann
Maria-Theresia-Gymnasium
Klasse 7 b
(Schreibwerkstatt)


Die Leichtigkeit meines Lebens

Die Leichtigkeit meines Lebens droht mich zu erdrücken und ich entfliehe ihr.
Ich sehe Seen. So groß wie Meere, sehe Meere, so blau wie der Himmel, der sich in den Flüssen spiegelt. Ich sehe die Sonne, die ihre Strahlen genussvoll in den Tümpeln dreht, und doch sehe ich Wolken, die den Kreislauf des Wassers am Leben halten. Ich sehe Stürme und Tsunamis, die den Menschen ihr Leben und alles, was es lebenswert macht, nehmen.
Ich sehe Schwimmer, Taucher, Surfer, ich sehe Glück.
Und ich sehe das Ende. Ich sehe kein Wasser mehr. Keine Menschen.
Ich sehe die Zukunft.

Drittes Augsburger Lesebuch
Linda Mitterweger
Maria-Theresia-Gymnasium
Klasse 9 c
(Schreibwerkstatt)


Brief an Sven

Lieber Sven,
kannst du dich noch an unsere Zeit im Kindergarten erinnern? An die tiefen Löcher, die wir in den Sandkasten gebuddelt haben, oder an die Wettrennen, die wir mit den Minibulldogs gefahren sind?
Später sind wir zusammen in die Schule gegangen und kamen sogar in dieselbe Klasse. Jeden Tag hast du mich abgeholt und wir sind zusammen den gleichen Schulweg gegangen - später sind wir dann gerollert.
Am letzten Schultag der 1. Klasse hast du mich leider zum letzten Mal abgeholt. Wir mussten uns noch am selben Tag verabschieden, denn der Umzugswagen war schon gepackt.
Heute gehe ich unseren Schulweg allein. Ich vermisse dich sehr.
Dein Robin

Viertes Augsburger Lesebuch
Robin Brendel
Friedrich-Ebert-Volksschule
Klasse 2 c


Angst

Ein halbes Jahr. 6 Monate. 180 Tage. 4 320 Stunden. 259 200 Minuten. 15 552 000 Sekunden.
Das ist die Zeit, die mir bleibt. Die Zeit, die mir hier bleibt. Hier, bei dir.
Der Gedanke löst viel in mir aus. Angst, Unsicherheit.
Ich verdränge ihn. Verdränge ihn, bis der Moment kommt. 15 552 000 Sekunden.
Tagsüber klappt die Verdrängung. Nachts ist der Gedanke stärker.
Ich liege wach. Denke nach. Der Gedanke holt mich ein. Holt mich ein, bevor ich schlafe.
Beängstigt mich. Verunsichert mich.
Ich male es mir aus. Male mir aus, wie es dort ist.
Neue Menschen. Neuer Job. Neue Stadt.
Ohne dich. Ohne Familie.
Ich habe Angst.
Ein halbes Jahr bleibt. Dann bin ich allein. Ohne dich. Allein in einer anderen Stadt.

Viertes Augsburger Lesebuch
Corinna Specht
Maria-Theresia-Gymnasium
K 13