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Rollenspiel zur Gentechnik

Wirtschaftlicher Aufschwung - Gefahr für die Umwelt - ethisch bedenklich?
Diese Fragen galt es im Rollenspiel zu transgenen Pflanzen zu diskutieren. Nach einem Konzept der Europäischen Initiative für Biotechnik im Unterricht, kurz EIBE, fand im Grundkurs Biologie K12 bei Frau Kosmala ein Rollenspiel zu diesem Thema statt.
Nach einer Expertenanhörung und Fragerunde trat der Stadtrat von "Kleinstadt" zusammen, um die Ansiedlung der Firma TGP (TransGene Pflanzen) zu diskutieren, die zwar viele Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung verspricht, deren Produkte aber nicht unbedenklich sind.
Es ging um die Ausweisung von Testfeldern für selbstleuchtende Weihnachtsbäume, die durch Einbau eines Gens des Glühwürmchens leuchtende Zweigspitzen besitzen.

Zunächst bekam jeder Schüler/jede Schülerin eine Rolle zugeteilt (Ratsmitglied, Experte, Umweltschützer etc.), auf die er/sie sich durch Informationstexte und Rollenbeschreibung einarbeiten sollte. Vor allem die Experten hatten einiges vorzubereiten für die Expertenrunde der öffentlichen Anhörung. Geleitet durch den "Bürgermeister" J. Boot trugen "Vertreter der Firma TGP" (R. Jensen), Th. Becker, "Doktor für Biochemie", die "Umweltexpertin" Judith Blaken und Ph. v. Bruhn für die "nationale Verbraucherorganisation "ihre Standpunkte vor, bevor das Plenum Fragen stellen konnte.

Expertenrunde
Expertenrunde

Robert Jensen Dr. Thomas Becker
Robert Jensen, Wirtschaftsdirketor bei TGP Dr. Thomas Becker, Leiter der Abteilung
Biochemie der Uni Siebenbäumen


Nach viel zu kurzer Diskussionsrunde wurde die Stunde darauf der Stadtrat von Kleinstadt einberufen. Vertreter der Regierungspartei und der Opposition lieferten sich eine engagierte Diskussion. Auch Robert Jensen erhielt nochmals Gelegenheit, den Standpunkt der Firma TGP darzulegen.
Mehrheitsfraktion Opposition
Mehrheitsfraktion Opposition

Robert Hansen Gustav Logan
Robert Hansen, Stadtrat Gustav Logan, ehemaliger Bürgermeister

Carola David Erik Schlanker
Carola David, Gründerin einer Umweltschutzgruppe
Mehrheitsfraktion
Erik Schlanker, Mitglied einer strengreligiösen Gruppe

Anschließend leitete Bürgermeister Boot die Abstimmung ein, die zunächst eine Pattsituation ergab. Dann wurden die anwesenden Bürger der Stadt mit zur Abstimmung aufgefordert. Ergebnis: Die Ansiedlung von TGP wurde abgelehnt.

Abstimmung


Im folgenden noch die Berichterstattung der "örtlichen Presse":

"Jetzt aber flott hier"
von Markus Petersen, freier Journalist des Klatschmagazins "Heißes"

Johannes Boot, Bürgermeister von Kleinstadt, eröffnete vergangen Freitag in der Ratsversammlung eine hitzige Diskussion über das Projekt von TGP. TGP will sich, wie bereits berichtet, den Standpunkt Kleinstadt sichern, um dort transgene Pflanzen zu züchten und zu produzieren. Kleinstadt biete, nach Meinung des Wirtschaftsdirektors Robert Jensen, optimale Bodenbedingungen, ausgezeichnetes Klima und die nötige Wasserversorgung. Und seien wir mal ehrlich: wer findet die Ideen dieses Konzerns denn nicht genial !? Tannenbäume, die ohne Glühbirnen oder Kerzen leuchten, bringen allerlei Vorteile mit sich: unsere langweiligen und leeren Parks werden auch in kalten Winternächten in wundervollem Licht funkeln, Felder und Wiesen werden von Licht erfüllt sein, angenehmer Duft wird durch die Straßen ziehen, der Terrorismus der dunklen Alleen wird ein Ende finden und unsere Kinder können sich draußen ohne Furcht und Angst frei bewegen.

Auch bringt die Ansiedlung von TGP einen langfristigen finanziellen Nutzen mit sich. Die Stadt würde zwar, nach Aussage des Bürgermeisters, 300000 KE für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung stellen. Jedoch würden die zusätzlichen Einnahmen aus der Gewerbesteuer auch den Bau einer Umgehungsstraße ermöglichen, um den LKW-Verkehr aus der Stadt zu verbannen. Alle restlichen Investitionen wird TGP selbst tätigen, d.h., Errichtung von Testfeldern und Feldern für die Produktion sowie von Forschungs- und Verwaltungsgebäuden. Überdies wird TGP etwa 15000 neue Arbeitsplätze schaffen, sodass die Arbeitslosigkeit in und um Kleinstadt praktisch keine Frage mehr ist. Unsere Bürger sollen sowohl bei der Bebauung der Testfelder als auch in der Verwaltung und im Marketing eingesetzt werden.

Nach Meinung der Experten bringt die Produktion von transgenen Pflanzen - also von selbstleuchtenden Bäumen, einer speziellen Maissorte, die den Cholesterinwert senkt oder von kälteresistenten Kaffeepflanzen - keine negativen Folgen für Mensch und Natur mit sich. Ausreichend durchgeführte Experimente stellen dies zudem sicher.
Mitglieder der Opposition standen dem gesamten Vorhaben mit äußerstem Misstrauen gegenüber. Judith Blaken, Mitglied der nationalen Gesellschaft für Umweltschutz, stellte völlig unbegründet den Ausbau der Infrastruktur als Umweltzerstörung dar. Zudem machte sie auf die Verwendung von Insektiziden und Herbiziden aufmerksam, die nach ihrer Meinung bei der Züchtung der transgenen Pflanzen eingesetzt werden würden und somit der Natur schaden könnten. Auch beharrte sie vehement darauf, dass zu wenig Untersuchungen und Experimente gemacht worden seien und sie daher von dem Vorhaben von TGP abrät. Philipp von Bruhn, Repräsentant der nationalen Verbraucherorganisation, stellte sehr aufgebracht die Notwendigkeit der geplanten Produkte in Frage und bezweifelte, dass das Licht der Bäume zur Beleuchtung unserer Straßen ausreicht. Auch verwies er auf die Nachteile für die Dritte-Welt-Länder, die durch die Produktion von kälteresistenten Kaffeepflanzen entstehen werden. Doch nebenbei bemerkt, die Idee von Kaffeebohnen, die man sich im eigenen Garten ernten kann, ist wirklich spitze! Jemand, der die Diskussion in der Ratsversammlung fast zum Überkochen brachte, war Erik Schlanker. Mit seinem Ausspruch "Jetzt aber flott hier" forderte er, TGP keine Baugenehmigung zu erteilen. Er betonte, dass es dabei nur ums Geld ginge und nicht irgendeine Firma in die Stadt kommen und dort machen könne, was sie will. Eingriffe in die Natur seien unnatürlich und überdies werde die Vielfalt der Natur somit manipuliert.

Unser Bürgermeister jedoch favorisierte das Projekt von TGP nach wie vor, was mich selbst zu einem seiner größten Fans macht.

Nachdem die Meinungen aller Personen eingeholt worden waren, erfolgte die Abstimmung. Leider wird TGP keine Baugenehmigung erteilt, weil eine Mehrheit von nur einer Stimme dagegen stimmte.
Ich selbst bin über die Entscheidung des Rates zutiefst enttäuscht, da ich in TGP die Zukunft für unsere Stadt gesehen habe.
Was kommt als nächstes? - Lila Kühe?

Diese Befürchtung von Stadträtin Elisabeth Kobrun ist nun nicht mehr nötig, denn seit Freitag, dem 28.01.2005 steht es endgültig fest; eine hitzige Ratsversammlung hat es beschlossen: TGP darf in Kleinstadt kein neues Zentrum ansiedeln und die geplanten Feldversuche nicht durchführen.

Freitag morgen, Punkt 8°° Uhr - die Ratsversammlung kann beginnen.
Doch bevor die Stadträte beraten können, werden die Meinungen der vier Experten, die für genauere Auskünfte in der vorigen Versammlung mit einbezogen wurden, von Bürgermeister Johannes Boot zusammengefasst:

Robert Jensen, Verwaltungsdirektor bei TGP (TransGene Pflanzen), sieht in der Vergrößerung der ortsansässigen Zweistelle nur Vorteile. Die Feldversuche und anschließende Produktion des komplett neu entwickelten Gens, welches Tannenbäume auf "natürlichem" Wege zum leuchten bringen soll, soll zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit und zur Förderung der Ansiedlung neuer Unternehmen beitragen.
Dies sieht Judith Blaken, Mitglied der nationalen Gesellschaft für Umweltschutz, ganz anders: Ihrer Meinung nach werden die geplanten, großangelegten Feldversuche einen erhöhten Herbizideinsatz zur Folge haben. Außerdem werden wichtige Umweltflächen verloren gehen und einige Probleme durch den Ausbau der Infrastruktur entstehen.
Dr. Thomas Becker, dienstältester Forscher der Abteilung für Biochemie an der Universität von Siebenbäumen, garantiert, dass bisher schon langfristige und ausführliche Tests und eine strenge Risikoanalyse durchgeführt wurden, um eine mögliche Übertragung auf andere Organismen und eine Gefahr für die Anwohner auszuschließen.
Ebenfalls gegen die Erweiterung und die Feldversuche ist der Repräsentant der Nationalen Verbraucherorganisation, Philip von Bruhn. Er erkennt keinen ganzjährigen Nutzen der Tannenbäume und befürchtet, dass die transgene Kaffeepflanze, die gewinnbringend in Mittel- und Nordeuropa gedeiht und ebenfalls von TGP produziert werden soll, große Problemen in der dritten Welt verursacht.

Schon zu Beginn der Sitzung weiß die Opposition viel Kritik anzubringen. Am kritischsten tritt unser ehemalige Bürgermeister, Gustav Logan, auf. Seiner Meinung nach wird der Aspekt "Mutter Natur" sehr vernachlässigt. Es würden angeblich viel zu viele Chemikalien eingesetzt werden und die Natur werde somit völlig zerstört. Ebenfalls kann er keine persönlichen Angriffe vermeiden und tätigt den Vorwurf, Alfred Reinhardt, Chef-Ingenieur bei TGP, keine Ahnung habe und seine Ausdrucksweise zu wünschen übrig ließe.
Für Oppositionsmitglied Erik Schlanker spielt der ethische Aspekt eine wichtige Rolle. Es gehe alles nur um Kapital und Gewinn, lässt er verlauten, und niemand schere sich um die Meinung der Bürger, der wirklich Betroffenen. Man trete ihre Werte mit Füßen, das sei unethisch. Der Rat sei seiner Meinung nach zuständig, dafür Sorge zu tragen, dass nicht irgend etwas Neues in die Stadt kommt und für Aufruhr sorgt. Dieses Argument wird sogleich von Robert Jensen, der ja, wie wir alle wissen, ein Bürger unserer Stadt ist, eines besseren belehrt.
Trotz seinen Bedenken, dass die Manipulation Gottes Werks automatisch in einer Katastrophe enden muss, erklärt sich Stadtrat Robert Hansen dazu bereit, für TGP zu stimmen, wenn nur die nötigen Zuschüsse für die nun nötige Biogasanlage, deren Errichtung besonders in seinem Sinne ist, da sind.
Wichtige positive Aspekte werden nun von Ratsmitglied Carola David und Stadtrat Bernhard Elderschot angesprochen. Der unumgängliche Ausbau der Infrastruktur würde Kleinstadt mehr Arbeitsplätze bringen. Dadurch könnte ein hoher Betrag der Steuern eingespart werden und damit die schon lang ersehnte Umgehungsstraße finanziert werden. Letzten Endes ist TGP auch auf längere Zeit gewinnbringend und nützlich für unsere kleine Stadt, und dies liege nicht zuletzt im Sinne der Bevölkerung: durch das entstehende Mehr an Geld könne die Abwanderung vermieden und die Lebensqualität erhöht werden; ja, sogar ethische Zwecke werden erfüllt - mit dem Bau der Umgehungsstraße.

Schließlich gehen hauptsächlich unterstützende Meinungen aus der Ratsrunde hervor: TGP will man in der Vermarktung, der Verwaltung und auf den Testfeldern bis zu 15.000 Arbeitsplätze schaffen und Kleinstadt wird von TGP bevorzugt, obwohl noch andere Interessenten wie Schweden und South Hampton bekannt sind.
Deswegen erscheint es mir auch schleierhaft, warum die Ratsabstimmung ein Unentschieden ergab und nach Einbezug der gesamten anwesenden Bevölkerung ein "Nein" mit 10:9 Stimmen über den Antrag verhängt wurde.

Ein schöner Traum war es, der Traum von einem frisch aufblühenden Kleinstadt und dem Ende des Terrorismus der dunklen Alleen.

Eduard Johansen für die Kleinstädter Nachrichten